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zu 1 Korinther 3,10-13
Achte darauf, wie du baust!
Wenn sich auch nur Einzelne nicht an die Regeln von Ehrlichkeit und Gemeinwohl halten, kann das schnell das ganze Gebäude des guten Miteinanders zum Schwanken bringen.
Bauarbeiter im Visier

In Zusammenhang mit den aufgedeckten Konstruktionsmängeln an Kölner und Düsseldorfer U-Bahn-Stationen ist von Pfusch am Bau die Rede. Es wäre doch wohl eher von organisierter Kriminalität zu sprechen, wenn in einem Bauwerk 80% der Eisenbügel fehlen, die notwendig sind, um den Stützwänden ihre architektonische Stabilität zu verleihen. Von den Kontrolleuren kann eine solch gravierende Unregelmäßigkeit nicht einfach übersehen worden sein, zumal die Vermessungsprotokolle manipuliert wurden.


Die „eingesparten“ Bügel haben Arbeiter offensichtlich zuhauf aus der Baustelle geschmuggelt, um sie auf dem Eisenmarkt zu verschachern. Dafür haben sie gutes Geld bekommen, denn die Rohstoffpreise sind recht hoch. Sie wollten wohl ihr schmales Gehalt aufbessern. Doch verglichen mit dem Schaden, der dadurch entstanden ist, sind das noch nicht einmal „Peanuts“ (dt.: Erdnüsse). Jetzt müssen in aufwendigen Untersuchungen alle Bauwerke, die von der betreffenden Firma und den verdächtigten Arbeitern errichtet wurden, unzählige Betonwände mühsam aufgestemmt werden, um festzustellen, ob die Sicherheit der betreffenden Gebäude gewährleistet werden kann oder nicht. Die Sanierung wird sicher Millionen kosten.

 

Das ist ein neues Beispiel dafür, wie rücksichtslose Vorteilssuche und Gewissenlosigkeit einiger Weniger Auswirkungen auf eine ganze Gesellschaft haben können. Noch knabbern wir an den Folgen der Finanzkrise, bei der einige Finanzjongleure aus den oberen Geschäftsetagen die Gebäude der Wirtschaftswelt ins Wanken gebracht haben, schon zeigt uns der nächste Skandal, dass auch ganz unten einfache Arbeiter dazu fähig sind, die Säulen der Gesellschaft unsicher zu machen.


Jesus sagt: „Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt.“ (Mk 4,22) Das scheint sich hier zu bewahrheiten. Aber es gilt auch für z.B. lange zurück liegende Verbrechen, die heute endlich durch die verfügbare DNA-Analyse aufgeklärt werden können, für Steuersünder, die durch ausspionierte Bankdaten aus der Schweiz überführt werden, für gedopte Spitzensportler, die durch immer exaktere chemische Nachweismethoden entlarvt werden. Und doch steht das, was bekannt wird, wohl noch einem größeren Teil gegenüber, der verborgen bleibt, so wie die Spitze dem Eisberg, der unterhalb der Wasseroberfläche bleibt.


Jesus hat mit seiner Aussage seine Überzeugung zum Ausdruck bringen wollen, dass die Botschaft, die er verkündet, nicht im Sande verlaufen wird, weil sie wahr ist und weil die Wahrheit sich ihre Bahn brechen wird. Selbst wenn ihr Hindernisse im Weg stehen und Menschen sie aufzuhalten versuchen, sie wird an den Tag kommen. Das hat sich im Fall des Evangeliums Jesu Christi bewahrheitet.


Zurück zu den heutigen Skandalen. Was sie uns im Negativen zeigen, das kann für uns auch zu einem ermutigenden Zeichen im Positiven werden. So viel Schaden einige Wenige anzurichten vermögen, so unerlässlich ist der ehrliche und treue Beitrag eines jeden Einzelnen beim Aufbau einer guten Gesellschaft, oder sagen wir: des Reiches Gottes! Ob es eine Aufgabe in höherer Verantwortung ist oder die alltägliche Arbeit an der Basis, ob mehr in der Öffentlichkeit oder im Verborgenen, ob die Leistung gewürdigt wird oder nicht, jede und jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass es auf ihren und seinen unverzichtbaren Beitrag ankommt, wenn der Aufbau einer menschenwürdigen und lebenswerten Gesellschaft gelingen soll.


Da kommt mir Paulus zu Hilfe, wenn er sagt: „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt.“ (1Kor 3,10-13)


Wenn es heißt, der gelegte Grund ist Christus, dann bedeutet das nichts anderes, als dass eine Gesellschaft, die den Menschen eine würdige Heimat sein will, nur im Respekt der Werte Christi aufgebaut werden kann, als da wären: Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, treues Engagement, Hingabe für andere und für das Ganze, ja, Liebe zu allen Menschen.

Veröffentlicht: 28.02.2010 Th. Heck
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